entdecken

Hände
Bildrechte Melita/ stockadobe.com

Wenn eine Marokkanerin am Chiemsee entdeckt, dass es auch in Bayern so viel Wasser gibt, dass man das Mittelmeer nicht mehr so vermisst – dann ist ein erster Schritt in die neue Heimat getan.

Sprachbarrieren behindern die Eroberung der neuen Welt genauso wie fremde Transportsysteme, undurchsichtige Buchungsregeln und vieles mehr. Oft reicht es, beim ersten Versuch an die Hand genommen zu werden. Wenn der Einheimische seinen Blick auf seine Heimat mit dem Reisenden teilt, eröffnen sich ganz neue Ansichten.

Krater-Pilze im Ries
Bildrechte F. Meyer

Krater-Pilze

Ca. zwanzig Frauen besichtigten am 17.11.23 zusammen mit Friedrun Meyer und ihrem Team die Krater Pilze in Alerheim/Bühl, die Pilzzucht eines Biologen und einer Chemikerin. Seit zwei Jahren, so berichtete der Unternehmer David Lenssen während seiner Führung, züchtet er zusammen mit seiner Familie feine Speise- und Vitalpilze.

Die Wachstumsstufen vom Myzel zum Fruchtkörper und die zugehörigen Arbeitsschritte erläuterte er den aufmerksamen Frauen und beantwortete alle Fragen. Große Begeisterung lösten die schönen Pilze mit so klangvollen Namen wie Rosenseitling oder Igel-Stachelbart bei allen Frauen aus, denn sie können zu allerlei Köstlichkeiten verarbeitet werden. Das wollen die Frauen des Interkulturellen Frauencafés im Dezember gleich mal zusammen tun.

Zum Abschluss servierten die Damen des Hauses großzügig selbst gebackene Kuchen, die von allen sehr geschätzt wurden. Dafür und für die vielen Informationen und Tipps zu den Pilzen aus dem Ries bedankten sie sich mit viel Applaus. CS  

Frauen beim Ausflug am Bodensee
Bildrechte F. Meyer

Ausflüge in die neue Heimat

Ein Highlight der ersten Jahre des Frauencafés waren die gut organisierten Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung. Diese führten u. a. nach Stuttgart in die Wilhelma, nach München, an den Donaudurchbruch nach Weltenburg, in die Schwäbische Alb oder an den Bodensee. 

Ein besonderes Abenteuer stellte die 5-tägige Bildungsreise nach Ruhpolding dar, das Ausgangspunkt war für Besichtigungstouren an den Chiemsee oder Salzburg. 65 Personen aus 12 Nationen machten sich auf den Weg, darunter 40 Kinder. Kindersitze, -wagen, -betten mussten transportiert werden. Trotz der logistischen Herausforderung wurde die Reise dank der Frauen und ihrer Kinder zu einem großartigen Erlebnis für alle. Leider konnten nicht alle mitfahren, die Nachfrage war größer als die Kapazitäten.

Im Bild: Die Frauen des Frauencafés im Pfahlbaumuseum von Unteruhldingen am Bodensee. BA 

Die Frauen vor dem Rathaus
Bildrechte F. Meyer

Stadtführungen und Begegnungen

Nicht jede Frau des Frauencafés kann einer normalen Stadtführung sprachlich folgen. Also bot das Interkulturelle Frauencafé eigene Führungen an, ganz zugeschnitten auf die beteiligten Frauen. Da kann es schon mal sein, dass die Stadtführerin mit 11 Frauen (und drei Kleinkindern) aus 9 Ländern konfrontiert ist. Kein Problem für Anneliese Braun: Die Stadtführerin kennt die Frauen aus den Kaffeegesprächen im Interkulturellen Frauencafé.

Mit der Zeit wurden die St.-Georgs-Kirche erkundet, die Stadtbücherei kennengelernt, die Laterna Magica im "Augenblick"-Museum bestaunt oder die Bienen eines befreundeten Imkers besucht. Vom Daniel aus verschafften sich die Frauen einen Blick über ihre neue Heimat.

Das Interesse traf auf Gegeninteresse: Oberbürgermeister und Kreistagsabgeordnete besuchten das Frauencafé und informierten sich über die Bedürfnisse der Frauen. OB Hermann Faul würdigte bei dieser Gelegenheit das Frauencafé mit der Aussage, Integration gelinge am besten in dieser geselligen Form, in der man sich zwanglos begegnen könne (zit. n. RN 29.01.07). BA